Wie bringe ich Biodiversität in meinen Wald?

Biodiversität bedeutet Vielfalt an verschiedenen Arten und Lebensräumen. Eine hohe Biodiversität ist ein Garant für die Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten, Schädlinge und Kalamitäten. Durch die Schaffung vielfältiger Lebensräume wie Totholz, verschiedene Baumarten, Strauch- und Krautschicht oder Veteranenbäume erhöhen Sie die Biodiversität in Ihrem Wald.

Erkennen Sie die Vielfalt in Ihrem Wald

Gehen Sie mit offenen Augen durch Ihren Wald und beobachten Sie. Vielleicht fallen Ihnen mehrere Anzeichen für die Biodiversität auf. Eine hohe Anzahl an verschiedenen Pflanzenarten, von Flechten und Moosen über Pilze und krautige Pflanzen bis zu Gehölzen und Bäumen zum Beispiel. Vielleicht wachsen in Ihrem Wald besondere Gehölze wie Speierling, Elsbeere, Eibe, Wildbirne, Pimpernuss oder Kornellkirsche.

Ein vielfältiger und gestufter Waldrand bietet Lebensraum für viele Singvögel, kleine Wasserflächen dienen als Biotop für Amphibien und Steinhaufen beherbergen Reptilien. Altbäume und Veteranenbäume sowie stehendes und liegendes Totholz sind für Insekten und Pilzarten wichtig.

Nutzen Sie natürliche Prozesse

Arbeiten Sie mit der Naturverjüngung und verwenden Sie bei Aufforstungen und Nachbesserungen Baumarten, die an den Standort angepasst sind. Beachten Sie bei Ihren Überlegungen aber auch die wahrscheinliche Entwicklung des Standortes mit Hinblick auf die Klimaerwärmung. Bringen Sie dabei auch Baumarten ein, die selten vorkommen und die wirtschaftlich eher geringe Bedeutung haben (z.B.Elsbeere, Speierling, Wildbirne, …).

Hinterfragen Sie die natürliche Verjüngung

Fichte ist nicht gleich Fichte. Möglicherweise hat Ihr Ur-Großvater eine genetische Herkunft gepflanzt, weil diese wirtschaftliche Vorzüge wie Geradschaftigkeit und schnelles Wachstum aufweisen konnte. Vor einem Jahrhundert hatten die Menschen andere Ansprüche an die Wälder und von Klimaveränderung war noch lange nicht die Rede.

Heute denken wir anders und so ist es durchaus möglich, dass die Baumart, die sich bei Ihnen verjüngt, gar nicht so gut an den Standort passt. Planen Sie in dem Fall die schrittweise Erhöhung der Vielfalt durch weitere Baumarten oder Verwendung einer passenden Herkunft der selben Baumart.

Gestalten Sie Ihren Waldrand

Im Übergangsbereich zwischen Wald und Offenland finden viele Pflanzen und Tiere einen reiche Auswahl an verschiedenen Kleinlebensräumen. Unterstützen Sie die Bildung dieser Biotope indem Sie den Saum ungefähr 30 Meter breit belassen und Strukturen wie Steinmauern- und Haufen oder Totasthaufen fördern. Lassen Sie dem Strauchgürtel hier Platz. Im Optimalfall wächst vor dem Gebüsch eine Wiese, die selten gemäht und nie gedüngt wird. Auch entlang von Forststraßen kann ein ca. 5-10 m breiter Saum der natürlichen Entwicklung überlassen werden.

Schaffen Sie kleine Wasserflächen

Tierarten wie zum Beispiel der Feuersalamander oder die Gelbbauchunke mögen kleine Wasserflächen im Wald. Stauen Sie an geeigneten Stellen Wasserläufe an oder graben Sie Löcher in wasserführende Runsen.

Belassen oder schaffen Sie kleine Steinhaufen

Tierarten wie bspw. Die Zauneidechse nutzen diese Stellen an warmen Tagen gern für ein Sonnenbad und finden gleichzeitig einen Unterschlupf bei Nacht.

Lassen Sie Veteranenbäume stehen

Spechte verlangen Veteranen- und Höhlenbäume, auch von Fledermäusen werden diese gerne genutzt. Lassen Sie daher alte ausgehöhlte Bäume stehen.

Entfernen Sie nicht das ganze Totholz

Abgestorbene Jungbäume, heruntergefallene Äste oder Schlagabraum lassen Sie am besten im Wald. Natürlich nur dann, wenn keine Massenvermehrung eines Schädlings droht. Haben Sie aber das Glück, dass Ihr Wald bisher noch keine allzu intensive Bekanntschaft mit einem Borkenkäfer und seinen Verwandten gemacht hat, werden es ihnen zahlreiche Arten danken indem sie dabei helfen, Schädlinge zu dezimieren. Belassen sie auch einzelne starke Stämme (stehend oder liegend) im Wald, da jede Totholz-Form ihre spezifischen Nützlinge beherbergt.

Bieten Sie künstliche Behausungen für Tiere an

Nistkästen für Vögel, Insektenhotels oder Fledermauskästen sind eher aus dem Garten oder aus Parkanlagen bekannt. Im Wald ersetzen sie fehlende Strukturen und bieten vielen natürlichen Fressfeinden von Schadinsekten einen Lebensraum. Mit der Art und dem Ort der Behausung können gezielt bestimmte Vogel-, Insekten oder Fledermausarten angelockt werden.

Fördern Sie natürliche Behausungen

Löcher in Bäumen, sogenannte Mulmhöhlen, bieten für viele Tierarten ein Zuhause. Sie entstehen etwa nach einem Astabbruch oder durch Spechtaktivität und können sehr langlebig sein. Ein Baum mit einer Mulmhöhle ist vielleicht wirtschaftlich uninteressant, jedoch bringt er als Lebensgrundlage für viele Nützlinge dem Wald einen großen Vorteil. Viele Feldermausarten, rund 40 % der heimischen Waldvogelarten und auch 50 seltene Käferarten sind auf diese Höhlen angewiesen.

Das Projekt „WaldbewirtschafterInnen beobachten Biodiversität“ fördert aktiv die Artenvielfalt in Österreichs Wäldern. Dabei geht es um bewusstes Hinsehen, gezieltes Beobachten und das daraus resultierende eigenverantwortliche Gestalten und Erhalten von Lebensräumen im Wald. Interessierte Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer werden von einem Trainer oder einer Trainerin auf biodiversitätsrelevante Aspekte in ihren eigenen Wäldern aufmerksam und neugierig gemacht. Sie können Ihre Beobachtungen dann online melden.