Wie schütze ich meinen Wald vor Schnee- und Eisbruch?

Wie schütze ich meinen Wald vor Schnee- und Eisbruch?

Fällt in kurzer Zeit viel feuchter Schnee und bleibt dieser auf Ästen und Wipfeln haften, können Geäst oder dünne Bäume durch das Gewicht brechen. Wenn unterkühlter Regen die Zweige mit einer Eisschicht umschließt, führt dies bei entsprechender Eisdicke ebenfalls zum Bruch. Man spricht hier von Eisbruch. Haftet Schnee am Eis an, wird die Belastung zusätzlich erhöht. Auch Raureif, der sich bei Nebel und Wind am Geäst anlagert wird mit dem anhaftenden Schnee zum Problem. Wind verstärkt die Belastung für die Bäume erheblich.

Besonders gefährdet sind Bäume mit Baumhöhen von 6 bis 15 Metern, aber auch höhere Bäume mit zu hohem H/D-Verhältnis, also generell zu dichte Bestände von Fichte oder Kiefer. Ausreichender Standraum führt zu guter Kronenentwicklung und stabileren Bäumen mit niedrigem H/D-Verhältnis.

Das H/D-Verhältnis gibt das Verhältnis von Höhe (H) zu Durchmesser (D) an. Bäume mit einem H/D-Verhältnis unter 80 und gut entwickelter Krone minimieren das Risiko eines Totalausfalles. Grafik BFW.

Rasche Aufarbeitung wichtig

Die primären ökonomischen und ökologischen Schäden sind unmittelbar nach dem Ereignis feststellbar und drücken sich in den Aufarbeitungskosten und der Holzentwertung durch Ast- und Kronenbrüche sowie Brüche oder Würfe des ganzen Baumes aus. Sekundäre Schäden sind mittel- und langfristige Folgen wie instabile Bestände, Insektenbefall, Pilzbefall und Zuwachsverluste. Um das Risiko sekundärer Schäden so gering wie möglich zu halten, müssen Schneebruchschäden rasch aufgearbeitet werden.

Gefahr droht vor allem durch verschiedene Borkenkäferarten. Es ist sorgfältig darauf zu achten, dass bruttaugliches Material so bald als möglich bis spätestens Ende März, noch bevor die meisten Borkenkäferarten fliegen, entfernt wird. Liegen gebliebene Äste und gebrochene Bäume locken im Frühjahr die Käfer an und gefährden damit vor allem jene Bäume, die durch den Schneebruch an Vitalität eingebüßt haben, aber durchaus noch im Bestand verweilen könnten. Dies betrifft vor allem Individuen, deren Schäden unsichtbar im Wurzelbereich liegen oder stehend gebrochene Bäume.

Auf die Krone achten

Art und Ausmaß des Schadens sowie Baumart, Alter, Vitalität und standörtliche Faktoren bestimmen, wie weit sich ein Baum vom Bruch erholen kann, so dass keine Generalisierungen möglich sind. Bei Fichte, Tanne und Douglasie sollen mindestens 50 bis 60 % der grünen Krone erhalten sein, bei Kiefern mehr, damit eine Sekundärkrone gebildet werden kann.  Laubhölzer besitzen eine bessere Regenerationsfähigkeit nach teilweisen Kronenschäden. Grundsätzlich sollte Fichte vor Kiefer, Einzel- vor Flächenbruch und Schwach- vor Starkholz bearbeitet werden.

Keine Chance dem Buchducker

Es ist zu beachten, dass dem Kupferstecher kein geeigneter Brutraum zu hinterlassen ist.  Dieser ist nämlich in der Lage, auch auf kleinsten Rindenstücken oder in Ästen zu brüten. Der Buchdrucker wird ab einem Durchmesser von zehn Zentimetern gefährlich. Das gebrochene Material ist daher unbedingt zu entfernen oder anders bekämpfungstechnisch zu behandeln (häckseln, begiften, auf Ganter legen und mit Insektizidnetz abdecken). Nach dem Ereignis im Winter und auch in den Folgejahren sollte der verbleibende Bestand ab Ende April regelmäßig auf Borkenkäferbefall überprüft werden (Bohrmehlauswurf, Harzaustritt), um befallene Bäume rechtzeitig entnehmen zu können.

Aufarbeitung birgt Gefahren

Auch wenn die Schäden durch Schneebruch meist bei schwächeren Stärkeklassen zum Tragen kommen, ist die Beseitigung nicht ungefährlich. Gebogene Stämme unter Spannung, hängen gebliebene Gipfel oder Äste sowie über Kreuz gebrochene Stämme lassen sich schwer einschätzen. Die Aufarbeitung sollte daher Profis überlassen werden. Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer können sich an Regionalstellen des Waldverbandes, der Waldwirtschaftsgemeinschaften oder an einen forstlichen Dienstleister wenden.

Wie schütze ich meinen Wald vor Naturgefahren?

Wie schütze ich meinen Wald vor Naturgefahren?

Bei der Bestandesbegründung in risikobelasteten Gebieten sollte ganz besonders auf die geeignete Baumartenwahl geachtet werden. Standörtlich gut angepasste Baumarten und standortgerechte Herkünfte verfügen über höhere Widerstandskraft und sind daher zu bevorzugen. Ebenso sollte im Anbetracht einer Klimaerwärmung auf eine zukunftsfähige Baumartenmischung mit Einbeziehung von Tiefwurzlern Wert gelegt werden. Gezielte Bestandespflege trägt ebenfalls zu einer Vermeidung oder Verringerung von Schäden bei. Es gilt Stabilität vor Qualität!

Da das zukünftige Klima und die damit verbundenen Störungen kaum verlässlich prognostiziert werden können, sollten waldbauliche Entscheidungen flexibel und offen sein für möglichst viele Situationen. Mit Baumartenvielfalt können wir am ehesten der Problematik der Unsicherheit begegnen, vor allem dann, wenn Baumarten mit möglichst unterschiedlichen ökologischen Ansprüchen beteiligt sind. Eine Dezimierung der besonders gefährdeten Baumarten, auch wenn diese häufig die ertragsstärkeren sind, zugunsten klimastabilerer Baumarten kann vor allem das Risiko eines Totalausfalles wesentlich verringern.

Mischwälder können entscheidend zur Risikominimierung im Klimawandel beitragen, da sie Störungen leichter ausgleichen können und daher gegenüber abiotischen und biotischen Störungen weniger anfällig sind als Reinbestände.